
Cyberangriffe auf den Gesundheitssektor: LAPSUS$ attackiert AstraZeneca, The Gentlemen trifft österreichisches Diagnostiklabor
Innerhalb weniger Wochen sind zwei Einrichtungen des Gesundheitssektors Opfer schwerwiegender Cyberangriffe geworden: Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca wurde von der berüchtigten Hackergruppe LAPSUS$ attackiert, während das österreichische medizinisch-chemische Diagnostiklabor „Das Labor" aus Villach (Kärnten) von der Ransomware-Gruppe „The Gentlemen" angegriffen wurde.
Fall 1: LAPSUS$ und AstraZeneca
Der Angriff wurde erstmals am 20. März 2026 bekannt, als LAPSUS$ auf Darknet-Foren und der eigenen Tor-basierten Leak-Seite die Verantwortung übernahm. Am 27. März 2026 wurden die Daten veröffentlicht und zum Verkauf angeboten.
Die Angreifer behaupten, rund 3 GB an komprimierten internen Daten entwendet zu haben:
- Vollständigen Quellcode in Java, Angular und Python
- Cloud-Infrastrukturkonfigurationen für AWS und Azure (Terraform, Ansible)
- Private kryptografische Schlüssel, Vault-Zugangsdaten sowie Tokens für GitHub und Jenkins-CI/CD-Pipelines
- Mitarbeiterbezogene Datensätze mit Namen, E-Mail-Adressen und Rollen
AstraZeneca (Jahresumsatz >58 Mrd. USD, ~90.000 Mitarbeiter) hat den Vorfall weder bestätigt noch dementiert. Nach einer langen Phase der Inaktivität ist LAPSUS$ seit dem 1. März 2026 wieder aktiv und hat 19 Opfer veröffentlicht – darunter Eiffage, Lacoste, Mercor AI und AstraZeneca. Auffällig: LAPSUS$ veröffentlicht fast ausschließlich an Wochenenden.
Fall 2: The Gentlemen und „Das Labor" (Villach, Kärnten)
Der Angriff wurde am 4. April 2026 auf der Darknet-Leak-Seite gelistet. Ein Countdown von ca. 72 Stunden deutet auf Veröffentlichung am 7. April 2026 hin. „Das Labor" (daslabor.eu) ist ein privates medizinisch-chemisches Diagnostiklabor in Villach, Kärnten – und Vertragslabor aller gesetzlichen Krankenversicherungen.
The Gentlemen zählt seit September 2025 insgesamt 284 Publikationen in über 50 Ländern. Die Gruppe operiert als RaaS mit bis zu 90 % Affiliate-Anteil und setzt auf doppelte Erpressung, GPO-Manipulation und BYOVD-Angriffe. Rund 37 % der betroffenen Organisationen bezahlen das Lösegeld.
Pharma-Branche unter Beschuss
Die Angriffe stehen nicht isoliert. Weitere namhafte Pharma-Opfer allein in 2026 umfassen Sagent Pharmaceuticals (USA, Worldleaks), PT Ikapharmindo Putramas (Indonesien) und Northeast Pharmacy Service (USA, Akira).
Empfohlene Schutzmaßnahmen
- Phishing-resistente MFA: FIDO2-Sicherheitsschlüssel oder passwortlose Verfahren
- Zero-Trust-Architektur: Kein automatisches Vertrauen für Geräte oder Nutzer
- Regelmäßige Offline-Backups: Vom Netzwerk getrennte Datensicherungen
- Netzwerksegmentierung: Kritische Systeme voneinander trennen
- Darknet-Monitoring: Überwachung auf kompromittierte Zugangsdaten
Die Angriffe zeigen: Kein Unternehmen ist zu groß und keines zu klein für Ransomware. Der Gesundheitssektor steht besonders im Fadenkreuz, weil Gesundheitsdaten auf dem Schwarzmarkt Spitzenpreise erzielen und der Betriebsdruck die Zahlungsbereitschaft erhöht.
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