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    Pressemitteilung: Risikomonitor warnt: Globale Angriffswelle auf Telekommunikations- und Internetinfrastruktur — RisikoMonitor
    Pressemitteilung13. April 2026 14 Min Lesezeit

    Risikomonitor warnt: Globale Angriffswelle auf Telekommunikations- und Internetinfrastruktur

    ~80.000
    Kompromittierte Systeme
    ~2.000
    Täglicher Zuwachs
    91
    Betroffene Länder
    79.985
    Erfasste Einträge
    HOCH
    Bedrohungslage

    Das Wiener Cybersicherheitsunternehmen Risikomonitor GmbH hat im Rahmen seines kontinuierlichen Darknet-Monitoring-Dienstes eine großangelegte, aktive Angriffskampagne auf Telekommunikations- und Internetinfrastruktur aufgedeckt. Die Kampagne, die unter dem Namen REDHEBERG operiert, hat weltweit fast 80.000 Systeme kompromittiert – mit einem dokumentierten Zuwachs von rund 2.000 weiteren Systemen täglich.

    „Die Geschwindigkeit, mit der sich dieser Angriff ausbreitet, ist in dieser Form bislang kaum beobachtet worden. Wir sprechen hier nicht von einem opportunistischen Angriff, sondern von einer professionell organisierten, kommerziell betriebenen kriminellen Infrastruktur – die aktiv wächst und vermietet wird."

    — Manuel Löw-Beer, CEO Risikomonitor GmbH

    Betroffen sind ausschließlich Telekommunikationsunternehmen und Internet Service Provider. Risikomonitors Darknet-Monitoring-Dienst verfolgt die Kampagne seit ihrer Entstehung und stellt die gewonnenen Erkenntnisse nationalen CERTs sowie betroffenen Unternehmen zur Verfügung. Das tschechische Nationale Cybersicherheitszentrum NÚKIB und CERT.cz haben die Kampagne offiziell dokumentiert.

    Der Bedrohungsakteur: REDHEBERG

    REDHEBERG ist kein Einzeltäter und keine opportunistische Hackergruppe. Es handelt sich um einen organisierten kriminellen Dienstleister, der seine Infrastruktur aktiv auf dem Markt anbietet.

    DDoS-Stresser
    Volumetrische DDoS-Angriffe auf Bestellung – gegen jedes Ziel weltweit, gegen Bezahlung
    Residential Proxy
    Kompromittierte ISP-Router als Proxy-Austrittspunkte – umgeht IP-Sperren und Reputationsfilter vollständig
    Botnet-Kapazität
    Eigene Angabe: 10.000+ Geräte – tatsächlich dokumentiert: fast 80.000
    C2-Infrastruktur
    Drei Operator-IPs: 170.39.218.48 / .32 / .251 · Paris, Frankreich

    Technisches Vorgehen: Fileless, schnell, schwer zu erkennen

    Was REDHEBERG von klassischen Botnet-Kampagnen unterscheidet: Nach der Kompromittierung wird keine neue Schadsoftware installiert. Stattdessen werden die eingebetteten Werkzeuge der betroffenen MikroTik-Netzwerkgeräte direkt umfunktioniert. Klassische Antivirus- und Endpoint-Detection-Lösungen schlagen nicht an.

    1
    Automatisiertes Scanning
    Kontinuierliche, vollautomatische Suche nach verwundbaren Netzwerkgeräten mit veralteter Firmware oder offenen Management-Interfaces
    2
    Kompromittierung ohne Malware
    Ausnutzung bekannter Schwachstellen (primär CVE-2023-30799), Neukonfiguration mit vorhandenen RouterOS-Bordmitteln
    3
    Persistenz & Fernzugriff
    Einrichtung dauerhafter Backdoors, Einbindung in die REDHEBERG-Kommando-Infrastruktur
    4
    Markierung
    VNC-Dienst wird ohne Authentifizierung geöffnet und mit dem REDHEBERG-Werbebanner versehen

    Explosives Wachstum – Die Dimension der Bedrohung

    Mit rund 2.000 neu kompromittierten Systemen täglich verdoppelt sich die Kapazität des Botnets alle drei Wochen.

    ZeitraumSystemeDDoS-Kapazität
    13. April 2026 (Messzeitpunkt)~80.000800 Gbps – 1,6 Tbps
    +1 Woche~94.000940 Gbps – 1,9 Tbps
    +2 Wochen~108.0001,1 Tbps – 2,2 Tbps
    +1 Monat~140.0001,4 Tbps – 2,8 Tbps
    +3 Monate~260.0002,6 Tbps – 5,2 Tbps

    Was ein Botnet dieser Größe anrichten kann

    Volumetrische DDoS-Angriffe
    Terabit-skalierte Floods können IXPs und Transit-Provider überlasten. OVHcloud dokumentierte 2024 Angriffe bis 2,5 Tbps.
    Infrastruktur-Sabotage
    Gezielte Überlastung von DNS-Servern, BGP-Routern oder kritischen IXPs kann nationalen Internetausfall verursachen.
    Residential Proxy
    Angriffstraffic über echte ISP-IPs – Geo-Blocking und Rate-Limiting versagen vollständig.
    Erpressung (RDoS)
    Botnet-Kapazität als Drohkulisse: Zahlung oder Netzausfall.
    DNS-Poisoning & MITM
    Kompromittierte Router manipulieren DNS-Antworten – Phishing ohne Nutzerinteraktion.
    BGP-Routenmanipulation
    ISP-Router können Routen injizieren und Internettraffic auf nationaler Ebene umlenken.
    Spam & Phishing
    Massenversand über legitime ISP-IPs mit hohem Zustellwert.

    Wer steckt hinter REDHEBERG?

    Die direkte Attribution von REDHEBERG zu einem staatlichen Akteur ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht bestätigt. Risikomonitor und NÚKIB kommen übereinstimmend zu folgendem Befund: Die Struktur der Kampagne und ihre technische Umsetzung weisen auf eine organisierte cyberkriminelle Gruppe mit klarer wirtschaftlicher Motivation hin.

    „Die Struktur der Kampagne und ihre technische Umsetzung weisen eindeutig auf eine organisierte cyberkriminelle Gruppe mit klarer wirtschaftlicher Motivation hin."

    — Manuel Löw-Beer, CEO Risikomonitor GmbH

    Besonders bemerkenswert: Chinas Flax-Typhoon-Botnet (Takedown September 2024) hatte exakt dieselbe Größenordnung wie REDHEBERG heute – 260.000 Geräte. Es wurde von einem öffentlich börsennotierten Pekinger Unternehmen betrieben.

    AkteurStaatBotnet-GrößeModus & Aufdeckung
    APT28 / Fancy BearRusslandHunderte RouterFBI Operation 'Dying Ember', Feb. 2024
    Volt TyphoonChinaTausende SOHO-RouterDOJ/FBI Takedown, Dez. 2023
    Flax TyphoonChina260.000 GeräteFBI Takedown, Sept. 2024

    Residential IPs: Warum die Abwehr extrem schwierig ist

    Der gefährlichste Aspekt von REDHEBERG ist nicht die schiere Größe – sondern die Herkunft des Traffics. Jedes kompromittierte Gerät ist einem realen ISP-Kunden zugeordnet: einem Unternehmen, einer Behörde, einem Internetcafé, einem Krankenhaus. Der Angriffs-Traffic ist von legitimen Traffic technisch nicht zu unterscheiden.

    Effektive Mitigation erfordert teure, spezialisierte Lösungen: BGP-Anycast-Scrubbing-Center. Diese Infrastruktur betreiben weltweit nur wenige Anbieter – Cloudflare, Akamai, Radware, Imperva. Wer keinen solchen Dienst vorgelagert hat, ist gegen ein Botnet dieser Größe praktisch schutzlos.

    Kann REDHEBERG das globale Internet zum Erliegen bringen?

    Ja – unter bestimmten Bedingungen ist das realistisch.

    SzenarioKapazitätAuswirkung
    DNS-Root-Server~500 GbpsREDHEBERG kann das heute. Globale Namensauflösung gestört.
    IXP-Überlastung1–3 TbpsRegionale Ausfälle in Westeuropa oder Nordamerika.
    Cloudflare-Totalausfall5+ Tbps20 % des globalen Internettraffics, 41+ Mio. Websites. In 3 Monaten erreichbar.

    Geografische Verteilung

    Risikomonitors Darknet-Monitoring-Dienst hat in 91 Ländern kompromittierte Systeme erfasst. Die zehn am stärksten betroffenen Länder:

    #LandEinträgeAnteil
    1Polen (PL)10.50513,1 %
    2Brasilien (BR)8.64110,8 %
    3Vietnam (VN)6.9068,6 %
    4Indonesien (ID)6.3467,9 %
    5Indien (IN)4.2885,4 %
    6Südafrika (ZA)4.2625,3 %
    7Kambodscha (KH)3.4044,3 %
    8Nepal (NP)3.2234,0 %
    9Tschechien (CZ)3.1583,9 %
    10Kenia (KE)2.4323,0 %

    Tschechiens CERT.cz und NÚKIB haben die Kampagne als erste nationale Behörde weltweit offiziell bestätigt und dokumentiert.

    Ausgenutzte Schwachstellen

    Die hohe Ausbreitungsgeschwindigkeit deutet auf einen vollautomatischen Prozess hin. Primär ausgenutzt wird CVE-2023-30799 (CVSS 9.1) – eine kritische Privilege-Escalation-Schwachstelle in MikroTik RouterOS.

    CVE-2023-30799 · CVSS 9.1 (Critical)
    Privilege Escalation in MikroTik RouterOS – vollständige Systemübernahme über Winbox oder HTTP möglich. Betrifft RouterOS ≤ 6.49.7 und ≤ 7.x.

    Einordnung der Rekord-Angriffe

    Die jüngsten DDoS-Rekorde – darunter 11,5 Tbps und 31,4 Tbps – klingen dramatisch. Bei genauer Betrachtung relativieren sich diese Zahlen jedoch erheblich:

    1. Flash-Angriffe, keine echten Bedrohungsszenarien

    Der 11,5-Tbps-Angriff dauerte nur rund 35 Sekunden. Experten wie William Manzione von RETN sagen dazu explizit: „Ein 11,5-Terabit-Flood klingt dramatisch, aber die kurze Dauer von 35 Sekunden zeigt, warum die Größe allein die falsche Metrik ist." Für einen typischen Unternehmensangriff sind Stunden und Tage relevant, nicht Sekunden.

    2. Ziel: Cloudflare/Azure – nicht normale Unternehmen

    Diese Rekorde wurden von den weltweit größten Scrubbing-Infrastrukturen abgefangen. Cloudflare selbst war Ziel – das Aisuru-Botnet griff gleichzeitig Cloudflare-Kunden und Cloudflares eigenes Dashboard und Infrastruktur an. Ein normales Unternehmen hat schlicht keine Kapazität, solche Volumina zu absorbieren – die Frage stellt sich gar nicht erst.

    3. Cloud-Missbrauch + Spezial-Hardware statt klassisches Botnet

    Der 11,5-Tbps-Angriff stammte aus einer Kombination von IoT-Geräten und Cloud-Providern – also aus missbrauchten legitimen Cloud-Ressourcen, kein klassisches Botnet aus infizierten PCs. Beim 31,4-Tbps-Rekord im Dezember 2025 stammte der Traffic hauptsächlich von infizierten Android-TVs – ein völlig neues Gerätesegment.

    4. Vollautomatisch abgewehrt – ohne menschliche Intervention

    Obwohl die Angriffe hyper-volumetrisch waren, wurden sie automatisch erkannt und mitigiert und lösten keinerlei interne Alarme aus. Das ist möglich, weil Cloudflare ein globales Anycast-Netzwerk über 330+ Standorte betreibt – eine Infrastruktur, die kein normales Unternehmen hat.

    5. Carpet Bombing statt gezielter Angriff

    Aisuru-Kimwolf nutzt eine Carpet-Bombing-Technik kombiniert mit starker Randomisierung der Paket-Attribute, um Erkennung zu umgehen. Der Traffic wird auf viele IPs verteilt – das ist eine andere Angriffskategorie als ein gezielter Volumenangriff gegen ein einzelnes Unternehmen.

    6. „Hit and Run" – kein nachhaltiger Angriff

    Die Angriffe werden nach dem „Hit and Run"-Prinzip ausgeführt: ein schneller Burst, der fast sofort Maximalwerte erreicht, und dann nach Sekunden bis Minuten endet. Für einen Risikomonitor sind anhaltende, zermürbende Angriffe das relevante Szenario.

    Empfehlungen von Risikomonitor

    „Fernzugriffe sollten nur über gesicherte Verbindungen erlaubt und Server gezielt auf Schwachstellen geprüft werden."

    — Manuel Löw-Beer, CEO Risikomonitor GmbH

    1
    RouterOS sofort auf die aktuelle Stable- oder Long-term-Version aktualisieren
    2
    VNC-Dienst (Port 5900) vollständig deaktivieren
    3
    Winbox (Port 8291) auf Management-VLANs beschränken oder deaktivieren
    4
    Alle Zugangsdaten rotieren
    5
    RouterOS-Scheduler-Scripts auf unbekannte Einträge prüfen
    6
    Firewall- und NAT-Regeln auf nicht autorisierte Weiterleitungseinträge untersuchen
    7
    Netzwerkmonitoring auf anomale UDP-Floods ausrichten
    8
    Hybrid-Anti-DDoS-Lösung für kritische Uplinks evaluieren und deployen

    Risikomonitor GmbH ist ein österreichisches Cybersicherheitsunternehmen mit Sitz in Wien, spezialisiert auf Darknet-Monitoring, Threat Intelligence und Frühwarnsysteme für Unternehmen und kritische Infrastrukturen.

    © 2026 Risikomonitor GmbH, Wien | TLP:WHITE | www.risikomonitor.com

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