Zum Inhalt springen
    RisikoMonitor
    Ransomware: Die Work-Life-Balance der Cyberkriminellen: Wann Ransomware-Gruppen zuschlagen — RisikoMonitor
    Ransomware7. April 2026 7 Min Lesezeit

    Die Work-Life-Balance der Cyberkriminellen: Wann Ransomware-Gruppen zuschlagen

    Ransomware-Gruppen operieren wie Unternehmen – mit Schichtplänen, Stoßzeiten und strategischem Timing. Eine Analyse der Veröffentlichungsmuster auf Darknet-Leak-Seiten zeigt: Cyberkriminelle haben klare Arbeitsrhythmen, die sich gezielt an den Schwachstellen ihrer Opfer orientieren. Über die Hälfte aller Ransomware-Angriffe erfolgt an Wochenenden oder Feiertagen – genau dann, wenn IT-Teams unterbesetzt sind.

    Globales Muster: Wochentags-Verteilung

    Die Auswertung von über 7.600 Leak-Seiten-Veröffentlichungen zwischen März 2025 und März 2026 zeigt ein eindeutiges Muster. Dienstag und Mittwoch sind die aktivsten Tage für Veröffentlichungen:

    • Montag: 295 Publikationen
    • Dienstag: 358 Publikationen (Spitzentag)
    • Mittwoch: 342 Publikationen
    • Donnerstag: 321 Publikationen
    • Freitag: 309 Publikationen
    • Samstag: 268 Publikationen
    • Sonntag: 272 Publikationen

    Samstag und Sonntag sind die schwächsten Tage für Veröffentlichungen, doch die eigentlichen Angriffe finden häufig genau dann statt. Laut Semperis (2025) wurden über 53 % aller Ransomware-Vorfälle an Wochenenden, Feiertagen oder während Unternehmensumstrukturierungen ausgeführt.

    Arbeitsprofile der Top-Gruppen

    • Qilin – Der unermüdliche Schichtarbeiter: 342 Opfer im Q1 2026, gleichmäßige Verteilung über alle 7 Tage. Ein klares Zeichen für ein Schichtsystem mit mehreren Teams.
    • The Gentlemen – Der Dienstags-Spezialist: Dienstag ist mit Abstand der aktivste Tag. Die Gruppe veröffentlicht gesammelte Ergebnisse in einem wöchentlichen „Release-Zyklus".
    • LAPSUS$ – Der Wochenend-Krieger: Veröffentlicht fast ausschließlich an Wochenenden – strategisches Timing für maximale Störung bei minimaler Gegenwehr.
    • Akira – Der 9-to-5-Kriminelle: Aktivität konzentriert sich auf Montag bis Freitag mit deutlichem Rückgang am Wochenende. Erstaunlich „normales" Arbeitsmuster.
    • CL0P – Der Kampagnen-Arbeiter: Intensive Kampagnen-Phasen mit hunderten Opfern, gefolgt von wochenlanger Stille.

    Feiertage als Hochsaison

    Die Analyse zeigt deutliche saisonale Spitzen. Besonders die Weihnachtszeit erwies sich als Hochphase:

    • 26. Dezember 2025: 63 neue Opfer an einem einzigen Tag (+163 % über Durchschnitt)
    • Heiligabend: 38 Opfer (+58 %)
    • Weihnachten: 41 Opfer (+71 %)
    • An jedem einzelnen DACH-Feiertag lag die Ransomware-Aktivität über dem Durchschnitt – im Schnitt um +40 %

    Was bedeutet das für Unternehmen?

    • Wochenend-Bereitschaft: SOC-Teams müssen an Wochenenden und Feiertagen gleichwertig besetzt sein
    • Dienstag als Risikotag: Incident-Response-Teams sollten zu Wochenbeginn besonders aufmerksam sein
    • Dezember-Vorbereitung: Vor den Feiertagen alle Patches einspielen, Backups prüfen und Notfallpläne aktualisieren
    • M&A-Phasen absichern: 60 % der Angriffe korrelieren mit Unternehmensveränderungen
    • Automatisierung statt Manpower: EDR, automatisiertes Patch-Management und KI-basierte Anomalieerkennung sind notwendig

    Fazit

    Ransomware-Gruppen haben eine bessere Schichtplanung als die meisten IT-Abteilungen ihrer Opfer. Solange Unternehmen ihre Cyberabwehr um 17 Uhr herunterfahren, werden Kriminelle genau diese Lücke ausnutzen.

    Pressemitteilung herunterladen

    Bitte Name und E-Mail-Adresse angeben — Sie erhalten einen Bestätigungscode, danach steht der Download bereit.